Interview mit Vivi Dimitriadou, Chief People Officer von Lagardère Sports

Aktualisiert: 7. Juni 2019


Wir freuen uns riesig heute mit einer Interview-Serie zu starten, die starke, inspirierende Frauen im Sportbusiness vorstellt und ihnen das Wort gibt.


Beginnen wird Vivi Dimitriadou, seit Oktober 2018 Chief People Officer von Lagardère Sports Germany. Ihre überaus informativen und aussagekräftigen Antworten haben uns selber viele Anregungen gegeben. Wir sind von ihrem langjährigen, breiten Erfahrungsschatz und ihrer Einstellung begeistert und freuen uns das Interview nun auch mit euch zu teilen.





Als erstes würden wir gerne erfahren, ob du ein Vorbild hast bzw. wer dich motiviert und inspiriert?


Ich habe nicht ein Vorbild, sondern verschiedene Menschen haben mich in unterschiedlichen Bereichen inspiriert. Florian Adamski, heute CEO von OMD Worldwide, mit dem ich einige Zeit zusammenarbeiten durfte, habe ich als unglaublich präsent und fokussiert kennengelernt. Die ungeteilte Aufmerksamkeit, das genau zuhören und verstehen wollen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, hat mich nachhaltig beeindruckt. Zu Beginn meiner Berufslaufbahn habe ich mir von Helma Spieker, Geschäftsführerin Brand Media GmbH, abgeschaut, sich selbst treu zu bleiben – gerade auch in einem männlich dominierten Umfeld. Und zwischen diesen beiden gibt es viele weitere, die mich inspiriert haben und aktuelle Kollegen, die mich neu inspirieren.


Grundsätzlich motiviert es mich, mit Menschen zu arbeiten, die Fragen stellen – und die sich, andere und Prozesse hinterfragen. Aus meiner Sicht kann nur so Entwicklung und Neues entstehen – was mich ebenfalls antreibt. Gerade mit wachsender Berufserfahrung tendieren wir dazu, unser Erfahrungswissen zu platzieren: „ich sage dir, wie das geht…“. Es lohnt sich aber, trotz umfangreichen Wissens manchmal eine Haltung von „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ einzunehmen. Hier wäre dann der griechische Philosoph Sokrates ein Vorbild. :-)



Gibt es auf deinem beruflichen Werdegang jemand, der dich besonders unterstützt und gefördert hat?


Ich glaube an lebenslanges Lernen und habe mich ständig in verschiedenenThemen, auch außerhalb meines eigentlichen Tanzbereichs, weitergebildet. Mein Netzwerk und der Austausch mit verschiedenen Menschen sowie meine Offenheit für neue Themen haben meine persönliche und damit auch berufliche Entwicklung am meisten unterstützt. Das war nicht immer ein Selbstläufer und ich habe mich auf dem Weg häufig gefragt: „Kann ich das? Schaffe ich das?“. Und genau das ist der Punkt, wo wir aus unserer Komfortzone heraustreten und manchmal einfach loslaufen sollten. Da ist es hilfreich, Menschen um sich zu haben, die auf der einen Seite unterstützen, an die eigenen Stärken erinnern und gleichzeitig auch konstruktiv kritisch auf das geplante Vorhaben schauen.


Auch heute befasse ich mich gerne mit neuen Themen und finde es spannend, auf völlig neue Menschen zu treffen, die meinen Horizont erweitern. Und die damit indirekt oder auch direkt meine berufliche und persönliche Entwicklung unterstützen.



Hast du bereits Erfahrungen in gemischten Teams gemacht und wenn ja, was schätzt du besonders daran?


Ich habe in vielen verschiedenen Konstellationen gearbeitet. Bei gemischten Teams schätze ich die Möglichkeit, sich mit den jeweiligen Expertisen zu ergänzen. Jeder hat seine Stärken und Erfahrungen. Das gibt Raum, verschiedene Perspektiven und Herangehensweisen einzubringen, um darauf basierend tragfähigere Lösungen zu entwickeln.



Wie wird Diversität bei euch im Team oder bei Lagardère allgemein bereits gelebt? Was wird konkret dafür getan? Gibt es schon Erfolge?


Das Thema Diversität sicherzustellen und auch weiter zu fördern, hat bei uns einen hohen Stellenwert. Wir sehen die Unterschiedlichkeit und die verschiedenen Kompetenzen, die wir im Unternehmen haben, als eine unserer Stärken, die wir weiter ausbauen möchten. Dabei geht es uns nicht nur um unterschiedliche Geschlechter und Nationalitäten im Team, sondern insbesondere auch um Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen. Wir experimentieren mit verschiedenen Formaten, um crossfunktionale Teams in passenden Unternehmensbereichen zu etablieren. Die Stärken diverser Teams nutzen wir auch projektbezogen, wie zum Beispiel bei der Produktentwicklung, wo wir mit Design Thinking als Methode arbeiten und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Bereichen für die Weiterentwicklung unserer Produkte zusammenbringen.


Insbesondere bei eurem Kernthema „Frauen im Sportbusiness“, möchte ich weniger über Quoten sprechen als vielmehr ein Bewusstsein schaffen, an welchen Stellen durch Kommunikation und gelernte Muster Diversität behindert wird. Es ist hilfreich, sich Kennzahlen anzuschauen und das im Benchmark mit anderen Unternehmen abzugleichen. Ich glaube lediglich, dass das Erreichen einer Quote von z.B. 30% nicht der einzige Parameter für den Erfolg ist. Ganz selbstkritisch betrachtet sind wir auch noch nicht zufrieden mit dem Status quo und hinterfragen uns selbst, wie wir die Durchlässigkeit in den verschiedenen Stellen im Unternehmen erhöhen können. Aktuell diskutieren wir zum Beispiel Formate, um das vorhandene Potential zu heben. Wir schauen uns dabei alle Bereiche an, angefangen von der Ansprache in Stellenausschreibungen bis hin zur Aufweichung möglicher unbewusster Schranken in der Organisation und gegebenenfalls auch bei uns Frauen selbst.



Warum ist aus deiner Sicht mehr Diversität in Teams wichtig?


Für mich ist die fachliche Diversität bzw. das Zusammenbringen verschiedener Kompetenzen und Eigenschaften relevant, um neue Lösungen und Handlungsweisen zu schaffen. Basis hierfür sind wie häufig Respekt und Wertschätzung sowie die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel. Wenn das gegeben ist, gelingt es nach meiner Erfahrung leichter, gemeinsam Ideen weiterzuentwickeln und zu besseren Ergebnissen zu kommen. Wenn alle im Team denselben Hintergrund haben und alles gleichförmig ist, wird in der Regel wenig Neues entstehen. Konstruktive Reibung hingegen fördert häufig eine stärkere Auseinandersetzung und damit auch kreativere Lösungen. Mehr von demselben ist selten die beste Alternative.



Gibt es deiner Meinung nach Unterschiede zwischen Frauen und Männern?


Grundsätzlich bin ich kein Fan von Stereotypen. Dennoch sehe ich in der Tendenz ein paar Unterschiede. Häufig war ich die einzige Frau in einem Führungsteam und habe bei mir bemerkt, dass ich mich teilweise anders verhalten habe als in stärker gemischten Teams. Ich glaube Männer machen sich weniger Gedanken über ihre Wirkung. Gleichzeitig würde ich sagen, dass Frauen sich tendenziell stärker hinterfragen – selbst wenn 80% der Anforderungen erfüllt werden, schauen wir auf die noch fehlenden 20%. Männer gehen damit meiner Erfahrung nach eher entspannter um. Und das meine ich gar nicht negativ, sondern ist vielmehr etwas, was wir uns abschauen dürfen.



Zum Schluss möchten wir dir noch ein paar persönliche Fragen stellen. Zunächst: Was treibt dich an?


Ich war für den Sales-Bereich einer Digital-Vermarktung verantwortlich. In der Wachstumsphase ist mir bei der Organisationsentwicklung bewusst geworden, wie wichtig es ist, den Blick auf die Menschen und deren Entwicklung im Unternehmen zu lenken. Seitdem treibt mich die Entfaltung des Potentials und Stärken der Organisation, sowohl mit Blick auf die Geschäftsentwicklung wie auch Kultur und die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen, an. Mein Ziel ist es ein Umfeld zu schaffen, in dem wir gemeinsam wachsen, unsere Kunden begeistern und unseren Mitarbeitern Freiraum bieten, ihre Kompetenzen einbringen zu können.

Ganz aktuell treibt mich an, mehr Frauen für die Sportbranche zu begeistern. Es ist ein spannendes, dynamisches Umfeld. Sportbegeisterung ist schön, aber nicht das ausschlaggebende Kriterium, sondern vielmehr fachliche Qualifikationen, die auch in anderen Branchen mit höherem Frauenanteil relevant sind. Da können wir noch besser werden, das herauszustellen.



Wie sieht dein perfekter Tag aus?


Für perfekte Tage gibt es viele Varianten. Du merkst: „das Eine“ gibt es bei mir nicht, auch da tendiere ich zu Diversität. 😉 Ein guter Start in den Arbeitstag beginnt mit einer ersten Tasse Kaffee bei Sonnenschein auf dem Balkon, gerne gekoppelt mit einer Meditation und dann mit dem Rad ins Büro fahren. Der Kopf ist dann frei und jeder Tag ist neu und anders. Ich mag die Abwechslung. Am Ende des Tages ist es schön, wenn ich das Gefühl habe, mit meinem Tun wirksam gewesen zu sein. In meiner Freizeit haben perfekte Tage viel mit gutem Essen, netter Gesellschaft und Aktivitäten im Freien zu tun.



Was machst du gerne, wenn du mal Zeit nur für dich hast?


Meditation, Yoga, Lesen, Laufen gehen oder mit dem Rennrad neue Strecken in Hamburg erkunden.



Liebe Vivi, danke für dieses tolle Interview!



Über Vivi Dimitriadou

Seit Oktober 2018 ist Vivi Chief People Officer von Lagardère Sports Germany. Vor ihrer Tätigkeit bei Lagardère verantwortete sie bei OMD Germany als Director People die Personal- und Organisationsentwicklung der Mediaagentur. Darüber hinaus war sie Division Director Human Resources bei GfK nurago sowie bei G+J EMS GmbH in verschiedenen Positionen im Sales Bereich tätig und hat u.a. in der Geschäftsleitung die strategische Unternehmensentwicklung mitgestaltet. Vivi ist zudem Business Coach und sitzt im Beirat des Deutschen Verband für Coaching und Training e.V..

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