Interview mit Ulrike Schlupp - Geschäftsführerin Inter Leipzig

Ulrike Schlupp heißt die zweite Frau, die wir euch in Form eines Interviews näher vorstellen möchten. Ulrike wurde 2016 im Alter von 27 Jahren von den Mitgliedern des FC International Leipzig e.V (Inter Leipzig – aktuell Oberliga Süd) zum ehrenamtlichen Vorstandsmitglied gewählt. Zuvor hatte sie 1,5 Jahre ehrenamtlich in der Geschäftsstelle des Vereins gearbeitet. Zeitgleich startete für Ulrike das DFB Leadership Programm für Frauen im Fußball. Ein Programm für Ehrenämtler des DFBs für mehr Vielfalt in Gremien, das Ulrike zusammen mit 23 anderen Frauen ein Jahr durchlaufen ist. Ende 2016 übernahm sie zudem das Amt der Geschäftsführung des Vereins hauptamtlich – dieses Amt hat sie bis heute inne.


Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem Durchhaltevermögen hat Ulrike schon sehr viel erreichen können und wir sind dankbar, dass wir heute ihre spannenden Antworten aus unserem Interview mit euch teilen können. Vielen Dank, liebe Ulrike.


Beginnen möchten wir mit der Frage nach deinem Vorbild – wer motiviert oder inspiriert dich?


Ein konkretes Vorbild habe ich nicht. Ich möchte aber eine spezielle Lebenssituation teilen, die mich sehr geprägt hat. 2009 durfte ich Teil eines interkulturellen Fußballcamps in Leipzig sein. Daran haben verschiedene Frauen aus Palästina, Jordanien, Malta, Algerien und Bulgarien teilgenommen. Der interkulturelle Austausch und die verschiedenen Lebensgeschichten haben mich fasziniert. Vor allem aber, dass wir alle ein Was gemeinsam hatten: Die Liebe zum Fußball.


Hat dich auf deinem beruflichen Werdegang jemand besonders unterstützt und gefördert?


Mich hat vor allem mein Vorstandskollege, Christopher Siebenhüner, unterstützt. Er hat an mich geglaubt, mehr in mir gesehen als ich selbst und mir überhaupt erst die Möglichkeit gegeben mich zu beweisen. Zudem bin ich ihm dankbar, dass er mir Türen geöffnet hat, durch die ich in meiner Entwicklung dann durchgehen konnte. Parallel dazu hat mich mein Dozent von Universität Leipzig, Sandy Adam, auf das Leadership Programm des DFB aufmerksam gemacht. Auch diese Erfahrung hat mir einen Entwicklungsschritt ermöglicht, für den ich dankbar bin. Zudem unterstützen mich Freunde, Familie und Bekannte, wenn sie die Möglichkeit sehen mir bei Herausforderung zu helfen.


Hast du bereits Erfahrungen in gemischten Teams gemacht und was schätzt du besonders daran?


Unser Vorstandsteam besteht aus zwei Männern und mir. In unseren Diskussionen wird oft deutlich, dass jeder von uns einen anderen Blickwinkel hat. Nicht nur der Unterschied im Geschlecht, auch die verschiedenen Lebensläufe sind von Vorteil, um eine vielfältigere Sicht auf die aktuellen Themen zu erhalten. Dazu gehören: das Alter, der Werdegang und die aktuelle Lebenssituation.


Wie wird Diversität bei Inter Leipzig bereits gelebt? Was wird konkret dafür getan?


Bei uns passiert das automatisch. Ich bin eine Frau, die sich in einem männlich geprägten Vereinsumfeld durchzusetzen hat. Ich denke, dass es allein diese Konstellation ist, die den Gedanken gar nicht erst zulässt, dass Frauen bei uns nicht erwünscht sein könnten. Besonders fördern tun wir es aber nicht. Das tue ich eher im Privaten mit Kommilitoninnen und Freunden. Ich platziere die Namen von engagierten Frauen in meiner Umgebung z.B. bei Verbandsvertretern. Ich selbst bin bereits seit drei Jahren im Verein tätig und habe den Eindruck, dass ich absolut anerkannt und akzeptiert bin. Dies ist eine Tatsache, für die ich jeden Tag arbeite und wirke. Die Unterstützung von anderen Frauen, bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung, ist eine meiner Leidenschaften, die mich auch in meinem Leben prägen.


Warum ist aus deiner Sicht mehr Vielfalt/Diversität in Teams wichtig?


Ich habe einen sehr bunten Freundeskreis. Aus ganz verschiedenen Branchen und Positionsebenen. Darunter findet man Reinigungskräfte, ÄrztInnen, PhysikerInnen, LogistikerInnen, ErzieherInnen, usw. Mir ist der Austausch aus den verschiedenen Branchen, verschiedenen Kulturen/Traditionen, jede andere Art von Lebenssicht schon immer sehr wichtig. Ich finde es spannend sich auszutauschen, da es mir die Möglichkeit gibt viele unterschiedliche Perspektiven zu gewinnen. Denn nur so erweitern wir unseren Horizont und beziehen eine größere Anzahl von Menschen ein. So ist das auch im Beruf. Vielfältigkeit ist etwas sehr Kostbares. Ganz dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei.


Was braucht es aus deiner Sicht, um mehr Diversität in die Sportbusiness-Branche zu bringen?


Ich denke, die Erwartungshaltung von Frauen und Männern muss sich ändern. Denn durch diese Erwartungen zwingen wir uns in unsere alten Rollen und Muster. Es muss ein Umdenken stattfinden. Dies betrifft aus meiner Sicht übrigens gerade auch die Frauen. In Studien wird deutlich, dass Frauen andere Erwartungshaltungen an Frauen in Führungsebenen haben als an Männer. Auch wir Frauen sind mit dafür verantwortlich, dass ein Wandel eintreten kann. Damit habe ich auch eigene Erfahrungen gemacht: meine Omi wollte z.B. auch lieber, dass ich das Geschirr abwasche und dafür auf körperliche Arbeiten, wie das Holz hacken, verzichte. Es sind auch diese Rollenbilder, die wir pro aktiv hinterfragen sollten.


Zum Schluss möchten wir dir noch ein paar kurze, persönliche Fragen stellen:


Was treibt dich an?


Ich möchte gerne etwas bewirken und einen positiven Unterschied machen.


Wie sieht dein perfekter Tag aus?


Es gibt keinen perfekten Tag. Ich bin froh, dass jeder Tag große Abwechslung und neue Chancen zur Entwicklung bringt. Wichtig sind mit an einem guten Tag: einen guten Job zu machen, Sport, Freunde, Familie, Partner.


Was machst du gerne, wenn du mal nur Zeit für dich hast?


Ich entspanne gerne in der Badewanne und denke über aktuelle Themen nach.


Liebe Ulrike, vielen Dank für dieses Interview!


Über Ulrike Schlupp

Seit August 2016 ist Ulrike Schlupp hauptamtliche Geschäftsführerin und ehrenamtliches Vorstandsmitglied des FC International Leipzig e.V. . Zuvor war sie seit August 2015 ehrenamtlich für den Verein tätig. Ihren Bachelor of Science (B.S.), Sportmanagement hat sie 2016 erfolgreich an der Universität Leipzig absolviert.


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