Interview mit Mirjam Hummel-Ortner, CEO von WWP Weirather-Wenzel & Partner

Aktualisiert: 3. Dez 2019


Seit 2014 leitet Mirjam Hummel-Ortner als CEO erfolgreich die international tätige Agentur WWP

Weirather-Wenzel & Partner. Gemeinsam mit Philipp Radel bildet sie seitdem eine Doppelspitze, ein Konzept ähnlich wie es in der Politik gerade mehr und mehr Beachtung findet. Mirjam blickt auf eine über 20-jährige Laufbahn bei WWP zurück und hatte dort verschiedene Funktionen inne. Begonnen hat sie im Bereich Organisationsentwicklung und Human Resources und wurde bald Geschäftsführerin der österreichischen Büros. Dort verantwortete sie unter anderem wesentliche Projekte wie die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel.



Beginnen möchten wir mit der Frage nach deinem Vorbild – wer motiviert oder inspiriert dich?


Ich hatte das Glück in meinem Leben immer wieder Menschen begegnen zu dürfen, die spannend oder inspirierend waren. Zumeist waren das natürlich Sportstars, Unternehmerpersönlichkeiten oder berühmte Menschen, die vom Sport fasziniert waren und sich in dem Umfeld bewegt haben. Solche Begegnungen sind natürlich interessant und inspirierend. Für mich persönlich war und ist es aber auch mein unmittelbares Umfeld, das mich geprägt hat. Allen voran meine Eltern. Meine Mutter, die immer berufstätig war und mir diese Balance vorgelebt hat und mein Vater, der den Sport und vor allem den Motorsport liebt und unübertroffen darin ist, Menschen zusammenzubringen. Mich inspiriert auch mein Mann, der als klassischer Musiker in einer völlig anderen Welt zu Hause ist, die aber wiederum was Kompetitivität oder Performance angeht, viele Analogien zum Sport hat.



Hat dich auf deinem beruflichen Werdegang jemand besonders unterstützt und gefördert?


Ich habe rückblickend, und teilweise wird mir das jetzt erst bewusst, in der WWP sehr früh viele Chancen bekommen. Ich bin zu einem Zeitpunkt mit grosser Dynamik ins Unternehmen gekommen – wir haben damals mit Siemens Mobile den ersten internationalen Pitch in der globalen Sponsoringberatung gewonnen und daraus haben sich ganz viele Anforderungen im Bereich Organisationsentwicklung und Human Resources ergeben. Die damit verbundenen Aufgaben waren wahnsinnig spannend und lehrreich, weil wir als WWP aber auch als Individuen daran sehr gewachsen sind. Die Unternehmensgründer haben mir hier viel Vertrauen geschenkt und mir die Möglichkeit zu einer stetigen Entwicklung gegeben, wofür ich Ihnen immer noch sehr dankbar bin.



Was sind deine Erfahrungen in gemischten Teams und was schätzt du besonders daran?


Dazu muss man vielleicht vorab definieren was ‚gemischt‘ eigentlich heisst. Der Mix aus männlichen und weiblichen Teammitgliedern war bei WWP immer gegeben, weil wir hier immer recht ausgeglichen im Unternehmen waren – aktuell liegen wir bei 57% männlichen und 43% weiblichen Kolleginnen und Kollegen. Dazu ist bei uns immer noch ein Mix an Kulturen gekommen. Vor Jahren habe ich bei einer Weihnachtsfeier 11 verschiedene Nationalitäten bei knapp 80 MitarbeiterInnen gezählt.

Dieser Mix bringt natürlich Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit sich und erfordert interkulturelle Kompetenzen, aber birgt auch gleichzeitig extrem viel Kreativität und Power wenn ein gemeinsamer Nenner die Menschen verbindet.

Bei uns ist das immer die Leidenschaft für den Sport. Wenn man dann ein Team auf ein gemeinsames Ziel einschwört und die Menschen stärkenorientiert einsetzt und entwickelt, erreicht man tolle Ergebnisse.



Wie wird Diversität bei WWP bereits gelebt? Was wird konkret dafür getan? 


WWP wurde vor über 30 Jahren gegründet und eine der Gründerinnen war eine Frau. Hanni

Weirather-Wenzel ist nicht nur eine der erfolgreichsten Sportlerinnen im Alpinen Skisport, sie war auch die grosse Visionärin hinter WWP. Sie hat zu dem Zeitpunkt bzw. noch während ihrer aktiven Karriere die Entwicklungen und Professionalisierungen der Branche erkannt.

Deshalb ist Diversität oder das Faktum von weiblichen Führungskräften bei WWP kein Entwicklungsgebiet – wir leben das bereits in der 2. Generation!


Was braucht es aus deiner Sicht, um mehr Diversität in die Sportbranche zu bringen?


Ich glaube diese Frage betrifft ja nicht nur die Sportbranche, sondern viele andere Bereiche genauso.

Ich glaube auch nicht, dass Quoten die ultimative Lösung sein können, aber sie setzen zumindest eine Bewegung in Gang. Viel mehr ist es eine gesellschaftliche Entwicklung, die forciert werden muss und das funktioniert nur bedingt über Sanktionen.

Ich denke es geht vielmehr darum, dass auch Rahmen geschaffen werden, die die Gleichstellung von Frauen gar nicht mehr zur Debatte stellen. Da sprechen wir von Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Fairness in der Gehaltsthematik und vielem mehr. Möglicherweise geht es aber ein stückweit auch darum, was sich Frauen zutrauen und wie sie sich gegenseitig stärken.

Ich bin selbst Mutter einer Tochter und so wie viele andere Eltern meiner Generation, finden diese strikten Rollenbilder in der Erziehung so nicht mehr statt: meine Tochter weiss, sie kann alles werden was sie will!



Führen Frauen anders als Männer? Was sind deiner Meinung nach die Unterschiede?


Ich führe WWP seit 4 Jahren gemeinsam mit meinem Kollegen Philipp Radel als CEO-Duo wahrscheinlich wäre wir für diese Frage das ideale Forschungsobjekt :-). Oder man befragt unsere MitarbeiterInnen, wie sie die Art der Führung empfinden. Philipp und ich haben uns aber nie die Frage nach den Unterschieden, sondern eigentlich immer nur nach den Synergien gestellt. Und die ist ganz einfach: wir wissen beide voneinander sehr genau, wo die jeweiligen Stärken sind und gehen damit transparent um.

Nach diesem Prinzip der Stärkenorientierung gehen wir dann auch Problemstellung oder Aufgaben an. Da spiegeln wir sehr den Teamsport und generell die Sport DNA der WWP wider – stelle dich und dein Team so auf, dass jeder auf seiner Position die Stärke optimal ausspielen kann.


Was sind für dich typisch weibliche Qualitäten?


Ich glaube man kann das nicht kategorisieren und voraussetzen, dass alle Frauen empathisch sind oder eine höhere soziale Intelligenz haben. Das wäre glaube ich viel zu kurz gedacht und würde weder Frauen noch Männern gerecht werden. Wertvoll ist für mich einfach, dass verschiedene Sichtweisen auf ein Problem neue Perspektiven eröffnen, dieses zu betrachten oder gar zur Lösung beitragen.



Zum Schluss möchten wir dir noch ein paar persönliche Fragen stellen:


Was treibt dich an?


Die Möglichkeit zu gestalten und zu bewegen, die Leidenschaft für den Sport und ich mag Menschen.



Wie sieht dein perfekter Tag aus?


Es gibt für mich keinen perfekten Tag, es gibt nur nahezu perfekte Momente. Wir haben kürzlich mit Porsche als Neuling in der Formel E einen traumhaften Start mit einem Podiumsplatz erlebt. DasTeam liegt sich nach dem Zieleinlauf in den Armen – das war so ein Moment. Oder der Sonntag Abend in Kitzbühel, wenn langsam alles ruhig wird und man auf ein erfolgreiches Hahnenkamm-Wochenende zurückblickt. Oder einfach meine Kinder zu umarmen oder Musik zu hören, die bestenfalls mein Mann gerade macht. Wenn man solche Momente nahtlos aneinanderreihen könnte, dann wäre das mein perfekter Tag.



Was machst du gerne, wenn du mal nur Zeit für dich hast?


Dann verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden.



Liebe Mirjam, wir sagen danke für überaus spannende Insights und viele wertvolle Impulse! Wie WWP Diversität oder das Faktum von weiblichen Führungskräften lebt, beeindruckt uns.

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