Interview mit Mara Pfeiffer, Journalistin und Autorin

Aktualisiert: März 8


Die nächste Frau im Interview ist Mara Pfeiffer. Sie ist Journalistin und Autorin und schreibt unter anderem für die „Allgemeine Zeitung Mainz“, die Wochenzeitung „der Freitag“ und das Fußballmagazin „ballesterer“. Auf Twitter und den weiteren Social-Media-Kanälen ist sie als „Wortpiratin“ unterwegs, bezieht klar zu gesellschaftlichen Themen Stellung und bringt sich ein. Daneben hat sie schon vier Bücher geschrieben, zuletzt den Mainz 05-Krimi „Im Schatten der Arena“. Sie ist Crewmitglied beim 2019 gegründeten Podcast „FRÜF – Frauen reden über Fußball“, einem tollen Projekt von Frauen im Fußball!


Beginnen möchten wir mit der Frage nach deinem Vorbild – wer motiviert oder inspiriert dich?


Ich würde nicht sagen, dass ich im klassischen Sinne ein Vorbild habe, aber es gibt definitiv Menschen, die mich inspirieren. Zum einen sind das Kolleg*innen, die sich mit Fußball und Sport allgemein so auseinandersetzen, wie auch ich ihn verstehe, also als gesellschaftliches Thema.

Mich inspirieren Frauen, die sich gegen fraglos vorhandene Widrigkeiten im Sport-Journalismus durchsetzen und die dann andere Frauen in diesem Metier unterstützen. Ich bewundere viele junge, starke Stimmen im Feminismus, Frauen, die so früh so klar zu demThema gefunden haben und sich nicht unterkriegen lassen bei diesem wichtigen Kampf. Und mich inspiriert, wie junge Menschen sich aktuell politisieren, ihr Mut und ihre Beharrlichkeit.

Hat dich auf deinem beruflichen Werdegang jemand besonders unterstützt und gefördert?


Wenn ich über diese Frage sehr lange nachdenken muss, lautet die Antwort wohl: nein. Das finde ich aber gar nicht schlimm, ich denke, ich habe vielleicht sogar zu sehr meinen eigenen Kopf dafür. Was es aber immer gab und gibt sind Menschen, die an mich glauben, die Lust haben, mit mir zu arbeiten, mir Projekte anzuvertrauen und auf verschiedenste Weise gemeinsame Sache zu machen. Darüber bin ich froh und das schätze ich wirklich sehr.




Was sind deine Erfahrungen in gemischten Teams und was schätzt du besonders daran? 


Ich glaube, je diverser ein Team ist, umso vielfältiger sind die Ideen, die entstehen. Wenn nur Menschen mit denselben Erfahrungen und Lebensläufen zusammensitzen, werden die Ideen sich auch nicht sonderlich unterscheiden. Ich bin also absolut pro Diversität.


Du bist Crewmitglied des tollen Projekts 'FRÜF – Frauen reden über Fußbal'. Wie seid ihr denn zusammengekommen? Und was genau macht ihr?


Alles begann mit einer Unterhaltung zwischen Rebecca Görmann und Kristell Gnahm, unseren wunderbaren Gründerinnen, auf Twitter. Den beiden war aufgefallen, dass in Podcasts zum Thema Fußball meist nur Männer oder Männer und eine Frau miteinander sprechen und sie haben sich überlegt:

Wie würden sich der Umgang mit dem Thema, die Dynamik, verändern, wenn ausschließlich Frauen miteinander über Fußball reden? Welche neuen Ansätze bringt das vielleicht noch mit sich?

So ist auch der Name FRÜF entstanden. Die beiden haben dann Frauen, die sie in Sachen Fußball bereits wahrgenommen haben, angesprochen, ob sie Lust haben, dabei zu sein, und dann ging es so im Schneeballsystem weiter. Mittlerweile gibt es FRÜF seit einem Jahr, wir produzieren monatlich eine Folge. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Sachen, klassische Themen wie Abstiegskampf, Besonderheiten wie Handtaschenkontrollen als Teil des Stadionbesuches, Fußball und Stadion als Heimat oder die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Christiano Ronaldo.


Was macht FRÜF für dich so besonders?


Ich sage es mal so, wenn jedes Arbeitsumfeld – und bei aller Liebe und Begeisterung für das Thema und die Sache macht so ein Projekt natürlich Arbeit – so positiv, unterstützend und gemeinschaftlich wäre, wie FRÜF, wäre das ein Grund, zu feiern. Wir kannten uns fast alle ausschließlich über die sozialen Netzwerke, mittlerweile haben wir uns, unter anderem bei einem gemeinsamen Wochenende, teilweise auch offline kennengelernt. Aber selbst davor hat sich direkt so eine starke Gemeinschaft gebildet.

Wir kommunizieren sehr gut und mit großem Respekt auch für unterschiedliche Ansätze, wir nehmen Rücksicht auf die anderen, sind füreinander da, wir stärken einander, auch abseits unseres gemeinsamen Themas, den Rücken. Jede hat den Raum, den sie braucht – in beide Richtungen, also, um sich mit den Themen, die sie beschäftigen, einzubringen, oder auch zu sagen: Stopp, gerade ist mir das zu viel, ich möchte mich eine Weile zurückziehen.

Ich habe durchaus schon positive berufliche Umfelder erlebt, dennoch ist die Art und Weise, wie wir das sowohl hinter den Kulissen im Umgang miteinander als auch in der öffentlich sichtbaren Projektarbeit handhaben etwas ganz Besonderes. Ich möchte diese tollen Frauen nie mehr missen.


Was braucht es aus deiner Sicht, um mehr Frauen und Weiblichkeit in die Sportbranche zu bringen?


Da sehe ich mehrere Stufen. Zum einen müssen die Frauen, die schon in irgendeiner Form „da“ sind, weiter für eine Sichtbarkeit kämpfen. Das nimmt uns niemand ab. Zum anderen müssen wir uns dafür einsetzen, dass mehr Frauen sich in diesen Bereich reintrauen – und zwar bestenfalls ohne das Gefühl, dass es dabei überhaupt darum geht, sich zu trauen. Es sollte also viel selbstverständlicher werden. Aber auch die Redaktionen sind klar gefordert, mehr Frauen, ebenso wie Enbys, im Sport einzusetzen. Egal ob klassische Journalisten, so genannte Experten in Talkrunden oder Funktionäre: Frauen und Enbys sind da viel zu selten vertreten. Das Problem ist aber hausgemacht, denn es gibt da ja tolle Leute, die anzufragen oder einzuladen, ist durchaus eine Verpflichtung der Verantwortlichen.

Niemand kann mir erzählen, dass die Fußballtalkrunden rein männlich besetzt sein müssen und ich hätte Mario Basler gern live vor der Kamera erzählt, was ich von seinen unsäglichen Einlassungen dazu halte, wie Frauen vermeintlich Pyro ins Stadion schmuggeln. Letztlich würden die Formate aus meiner Sicht also profitieren, wenn es keine reinen Testosteronzirkel wären. Das kann man doch oft gar nicht schauen, ohne Nackenschmerzen vom Kopfschütteln zu kriegen.

Führen Frauen anders als Männer? Was sind deiner Meinung nach typisch weibliche Qualitäten?


Grundsätzlich sind Menschen natürlich ganz verschieden, ganz unabhängig davon, welchem Geschlecht sie sich zuordnen. Ich denke aber, jede*r bringt die eigenen Erfahrungen mit ein, wenn es um berufliches Verhalten und entsprechende Entscheidungen geht und da sind die Wege eben oft unterschiedlich, die beispielsweise in eine Führungsposition münden.

Wobei das positive und negative Auswirkungen haben kann, manche Frauen führen besonders hart, weil sie selbst viele Kämpfe ausfechten mussten, andere münzen diese Erfahrung dahin um, dass sie andere stärker fördern und unterstützen. Und wenn das passiert, führen Frauen aus meiner Sicht tatsächlich besser.

Zum Schluss noch ein paar persönliche Fragen:


Wer oder was gibt dir Kraft?


Da fallen mir zuerst meine Herzmenschen ein, mit denen ich reich gesegnet bin: mein Mann Alex, meine Stieftochter Kira, meine tollen Geschwister und wunderbaren Freund*innen. Ich tanke sehr bei den Menschen auf, die mir wichtig sind. Unsere beiden Katzen, natürlich, die mich auch mal einfach ablenken, vom Schreibtisch wegbringen. Ein heißes Bad. Mein Sport, also Schwimmen, Yoga und Boxen. Bücher in denen ich total versinken kann. Und gerade im Arbeitsalltag unbedingt die großartigen FRÜFis, weil wir uns intensiv austauschen, einander unterstützen und es einen solchen Unterschied macht, zu wissen, dass sie da sind.


Ein freier Tag... wie gestaltest du ihn?


Oft bin ich, bis ich mir wirklich freinehme, schon so platt, dass ich einfach mit einem guten Buch oder zu einem Fußballspiel aufs Sofa falle. Das versuche ich aber zu ändern. Generell passt hier als Antwort fast alles, was ich zum Thema „Kraft geben“ aufgeführt habe – freie Zeit verbringe ich nämlich auch sehr gerne mit den Menschen, die ich liebe, mit Sport oder Büchern. Und seit letzten Sommer haben wir eine Hängematte, in der werde ich hoffentlich bald wieder viel Zeit verbringen, das ist herrlich entspannend.


Was war das letzte Buch, das dir immer noch im Kopf ist?


Mir fallen gleich zwei ein. Zuerst „Rage becomes her“ von Soraya Chemaly. Das Buch ist phantastisch, ein kluges Plädoyer dafür, dass Frauen sich nicht fügen und ihre Wut über gesellschaftliche Ungerechtigkeiten nicht mehr herunterschlucken sollen. Und Sheila Hetis „Motherhood“, in dem die Autorin in Romanform darüber reflektiert, ob sie Mutter werden möchte oder nicht und welche Anforderungen mit dieser Rolle noch immer verknüpft sind. Das fand ich wirklich großartig und ich habe mich ganz oft darin wiedergefunden.



Liebe Mara, danke für deine interessante Sichtweise! Total klasse, wie du und alle FRÜF-Frauen sich einbringen! Für alle Interessieren, schaut doch mal bei FRÜF vorbei oder hört rein: https://www.fruef.de


Über FRÜF - Frauen reden über Fußball


In FRÜF steckt, was der Name verspricht: Frauen reden über Fußball. Hinter FRÜF steckt ein stetig wachsendes Podcast-Kollektiv von Frauen, für die Fußball mehr ist als nur eine Sportart. Wir sind Fans, Journalistinnen, Spielerinnen – und manche von uns sogar alles davon. Wir sind diskussionsfreudig, aber solidarisch. Uns interessieren fußballerische Trends, der Diskurs über 50+1 oder die gesellschaftliche Relevanz von Antirassismus-Kampagnen des DFB genauso wie die Unterschiede im Umgang mit Frauen- und Männerfußball, die weibliche Fußballsozialisation oder der Umgang mit Sexismus im Stadion. Über solche Fragen sprechen wir in wechselnder Besetzung in unserer monatlichen Sendung.


FRÜF ist keine Sportschau in Rosa und keine Analyse von Spielerfrauen-Instagram-Profilen – bei FRÜF geht es um Fußball. Punkt. Wir geben dabei weiblichen Perspektiven und Stimmen eine Plattform, die in anderen Sendungen einfach viel zu selten auftauchen – weil wir es können. Denn wir sind viele.


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