Interview zur Gründung von sports {f}

Aktualisiert: Aug 5


Eine Initiative für Frauen in der Sportbranche sucht man in Deutschland vergebens. Das habe ich damals mit großer Verwunderung festgestellt. Aber warum ist das so? Wie in anderen Branchen auch wird für die Sportbranche das Einbringen von weiblichen Perspektiven und Einflüssen immer wichtiger, aber es gibt bisher noch kein Netzwerk oder Lobby, das/die sich dafür stark machen. Eine fehlende Nachfrage konnte ich mir nach vielen Gesprächen mit Freunden und Kolleginnen und Kollegen nicht vorstellen. So ist im November 2018 die Idee und Vision für sports {f} geboren. Bei der Gründung war Kerstin Keil dabei und hat viel zum Aufbau von sports {f} in den ersten Monaten beigetragen.

In einem Interview erfahren Sie mehr über meine Motivation und meine Beweggründe.


Ich bin: Gründerin & Visionärin. Feministisch, spiritueller Freigeist. Verfolge das Motto: Werde, der du bist! Ich bin naturverbunden, gerne am Wasser und in den Wellen.




Du hast mehr als 5 Jahre für Werder Bremen gearbeitet: war für dich schon immer klar, dass du in der Sportbranche arbeiten wolltest und wie bist du zum Fußball gekommen?


Seitdem ich denken kann, bin ich leidenschaftliche Sportlerin. Zum Sport und zum Fußball hat mein Papa mich gebracht. Schon in meinem Kinderzimmer waren früher Poster von Mehmet Scholl, Jürgen Klinsmann oder Jay-Jay Okocha an den Wänden zu finden :-). Selber aktiv im Leistungssport war ich bis zum Jugendlichen-Alter in der Mittelstrecke, im 800 /1.500 Meter-Lauf. Bis heute ist die Freude an körperlicher Bewegung geblieben. Während meines Studiums an der Deutschen Sporthochschule in Köln habe ich kaum ein Heimspiel des FCs verpasst. Durch meine Kellner-Tätigkeit im VIP-Bereich des FCs hatte ich viele interessante Begegnungen mit den Funktionären und Vorständen der unterschiedlichen Vereine. Was mir damals schon aufgefallen ist... "Wahnsinn, keine einzige Frau." Dort ist auch der Wunsch geboren worden: einmal bei einem Fußballbundesliga-Verein zu arbeiten, das wäre es! Ein Praktikum bei der Deutschen Telekom im Sportmarketing während meines Studiums hat mir die Unternehmens-seite in der Sportbranche näher gebracht und die Allianz Arena als Arbeitsstelle für ein halbes Jahr. Hinter die Kulissen des größten Sponsoring-Engagements in Deutschland zu blicken und dieses mit umzusetzen und zu aktivieren war prägend, beeindruckend und lehrreich zugleich. Auch meine Diplomarbeit hatte Fußballbezug. Ich habe den Zusammenhang zwischen 'Emotionaler Intelligenz und dem Führungsstil bei Fußballtrainern' im Rahmen einer Fragebogenstudie im Psychologischen Institut der Sporthochschule untersucht und konnte erste Ergebnisse zu dem Thema liefern. 


Wie ging es nach dem Studium weiter?


Nach dem Studium habe ich zunächst auf Agentur-Seite bei brands and emotions in München gearbeitet und u.A. den Audi Cup mit organisiert. Von dort ging es einmal quer durch die Republik nach Bremen, zum SV Werder Bremen. 5,5 intensive Jahre folgten und der Wunsch in der Fußball-Bundesliga zu arbeiten, wurde wahr. Ich hätte keine einzige Sekunde dort missen möchten! Zweimal war ich dabei wie der Abstieg abgewendet werden konnte und Fanaktionen wie #greenwhitewonderwall oder #allezgrün werde ich nie vergessen. Ich bin bis heute mit dem Verein verbunden 💚. 


In meiner Zeit bei Werder ist mir mehr und mehr bewusst geworden, welche immense Strahlkraft der Profi-Fußball hat, so unglaublich viel Kraft um Gutes zu tun. Der Wunsch in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln, hat mich nach Südafrika zu einer internationalen Non-Profit Fußballorganisation, AMANDLA, geführt, bei der ich für einige Monate im Rahmen eines Volunteerings mitgearbeitet habe. Die dort gemachten Erfahrungen haben meine Sichtweise nachhaltig verändert und ich habe dort nochmal mehr gemerkt, wie wichtig Vielfalt in Teams ist und dass mir dieses Thema sehr am Herzen liegt.


Wer inspiriert und motiviert dich?


Auf meinem Berufsweg haben mich Menschen und Organisationen inspiriert, die etwas bewirken und verändern wollen wie Streetfootballworld und deren wirkungsvolle Initiative Common Goal, und auch die Organisation für die ich in Kapstadt gearbeitet habe, AMANDLA, die Kindern und Jugendlichen aus Townships und sozialen Brennpunkten eine bessere Zukunft durch den Sport ermöglicht. Und mich motiviert das von Stefan Wagner initiierte Bündnis Sports For Future, das die Fridays For Future-Bewegung unterstützt und in die Sportbranche weiterträgt. 


Vorbilder sind für mich die Lehrer meiner Ausbildung zur Gestalttherapeutin Ellen und Christopher Tarnow und das gesamte Eichgrund Institut, die mich mit ihrem Arbeiten und Wirken inspirieren. Und mich inspirieren Frauen und Männer, die aufstehen, sich für gesellschaftliche Themen einsetzen und Haltung beziehen.

Wie bist du dazu gekommen, dich für die Stärkung von Frauen und einer weibichen Perspektive einzusetzen?


In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn ist es mir oft so ergangen, dass ich in Abstimmungs- und Entscheidungsrunden überwiegend in Männerrunden geblickt habe. Es gab oftmals keine große Diversität in den Meinungen und wenig unterschiedliche Einflüsse. Doch genau das ist aus meiner Sicht so wichtig. Mir hat immer eine Initiative gefehlt, der ich mich anschließen und in der ich mich engagieren kann. Während eines Sabbaticals (nach meinem Volunteering in Südafrika) war ich mehrere Wochen auf Kreta. Ich habe dort an einer Frauenreise teilgenommen und war Reisen und Surfen. Dort ist in mir der Wunsch geboren und immer präsenter und lauter geworden, mich für die Förderung von Frauen und vor allem die Stärkung, Wertschätzung und Würdigung von weiblichen Qualitäten einzusetzen. Mir wurde schnell klar, dass ich mich in diesem Bereich engagieren möchte. Nach einem Treffen mit Kerstin, die mich seit Studienzeiten in der Sportwelt begleitet, bei dem wir uns viel über unsere Erfahrungen als Frau in der Sportbranche ausgetauscht haben, war ich Feuer und Flamme, eine Initiative zur Förderung von Frauen in Deutschland aufzubauen. Und Kerstin war direkt mit dabei. Das war der Startschuss für sports {f} im November 2018.


Inspirationsquellen waren u.a. die Netzwerke 'Women in Sport' und 'Women in Football' in England, das Netzwerk 'WISE (Women in sports and events)' in den USA und bei der Namensfindung das Onlinemagazin für Frauen 'Edition F'! LehrerInnen und UnterstützerInnen auf dem Weg sind: Jonas Sowa, der konzeptionell und digital berät & wertvolle Impulse gibt (https://www.digital8.ai). Das Eichgrund Institut, besonders Ellen Tarnow! Und, der kretische und südafrikanische Spirit, die all das in mir wachgerufen haben.

Seit Anfang 2019 bist du in Ausbildung zur Integrativen Gestalttherapeutin. Kannst du ein bisschen was darüber erzählen?


Ich bin im zweiten Jahr der dreijährigen Ausbildung zur Gestalttherapeutin. Die Gestalttherapie ist eine tiefenpsychologische, humanistische Therapieform, die erfahrungs- und erlebnisorientiert arbeitet. Mit dem was im Hier & Jetzt da ist. Durch vielfältige Übungen und Techniken wird das (Körper-)Bewusstsein gefördert, die Achtsamkeit verfeinert und die Wahrnehmung für sich und andere geschult. Mich interessiert, wie Körper, Geist und Seele zusammenhängen und wo die Wurzel von psychosomatischen Beschwerden liegt.


Von dem Gestalttherapeuten und Psychiater Arnold Beisser stammt folgender Satz, den ich sehr treffend finde: "Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, was er nicht ist."

Erzähl doch mal, welche Ziele du mit sports {f} erreichen möchtest.


Sports {f} lebt eine aktive Feedback-Kultur von Minute eins. Das Definieren von festen Zielen ist mir schwergefallen, wenngleich ich eine ganz klare Vision habe:

Meine Vision ist eine Sportbranche voller Vielfalt und ohne Vorurteile. Eine Sportbranche, die sich für die Stärkung von Frauen einsetzt. Eine Sportbranche, die erkennt, dass das Einbringen von weiblichen Perspektiven einen Mehrwert bringt. Eine Sportbranche, in der Frauen und Männer gleichermaßen zusammenarbeiten und das ein Selbstverständnis ist. Meine Vision ist, dass Frauen als fester Bestandteil in jeder Organisation der Branche gleichgestellt verankert sind.

Ich bin dankbar für das Feedback, dass ich bisher aus der Branche, von Kolleginnen und Kollegen, meinem Familien- und Freundeskreis erhalten habe und genieße es, ohne feste Leitplanken arbeiten zu können. Festgeschriebene Ziele passen nicht zu meiner Idee und Vorstellung von einer lebendigen Initiative. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass die Initiative für etwas stehen muss und habe aus diesem Grund ein agiles Manifesto erstellt. Dieses Manifesto lebt. 


Ich unterstütze und stärke Frauen in der Sportbranche und darüber hinaus. Ich gebe Erfahrung weiter und mache Mut. Ich inspiriere und motiviere. Ich setze mich für die Förderung und Stärkung von Frauen und weiblichen Qualitäten ein. Ich ergreife die Initiative, weil dieses Thema viel zu wenig diskutiert und aufgegriffen wird. Ich rüttele auf und schaffe ein Bewusstsein, dass die Kultur in der Branche sich dringend ändern muss! Ich bringe mich ein und übernehme Verantwortung. Ich gebe euch Frauen eine Stimme und erzähle Erfolgsgeschichten über Frauen. Ich mag ein Miteinander und feiere Erfolge mit einer Umarmung. Mit den geschweiften Klammern {f} trage ich dies sinnbildlich im Namen.* Ich bringe einen Mehrwert in die bisher größtenteils von Männern dominierte Branche. Ich gebe eine andere Perspektive. Ich bin davon überzeugt, dass die bei Frauen und Männern unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten sich optimal ergänzen und das Zusammenbringen ein riesiges Potential birgt.

*geschweifte Klammern werden auch als Akkolade bezeichnet. "Accolade" heißt auf französisch Umarmung :-).


Wen möchtest du mit der Initiative erreichen und ansprechen?


Ich möchte alle Frauen, Männer und Organisationen erreichen, die mein Ansatz anspricht. Die es ähnlich sehen, dass der Staus Quo und die Stellung von Frauen in der Branche und in der Welt nicht zufriedenstellend ist. Menschen und Organisationen, die die Sichtweise teilen, dass unterschiedliche Perspektiven wichtig für nachhaltigen Erfolg sind. Und ich sage ganz bewusst, nachhaltigen und nicht profitorientierten Erfolg! Die sich aktiv dafür einsetzen und stark machen.


Ganz besonders möchte ich Frauen unterstützen und dabei begleiten, ihren eigenen Weg zu gehen und ihrer Leidenschaft und inneren Stimme zu folgen. Ich freue mich und bin stolz darüber, dass ich mit sports {f} als Grassroots-Initiative weitere Frauen, Agenturen und Unternehmen in der Branche inspiriert und angeregt habe, sich für die Förderung von Frauen einzusetzen und inzwischen weitere Engagements und kleine Veränderungsschritte in der Branche entstanden sind.


Wie und wo ist sports {f} zu finden und was findet auf den Plattformen statt?


Es gibt einen Blog und eine Facebook- und LinkedIn-Gruppe. Auf diesen Kanälen können Sie interessante Artikel und Beiträge über Frauen in der Sportbranche und darüber hinaus finden. In einer Interview-Reihe werden inspirierende Frauen vorgestellt. Daneben gebe ich Impulsvorträge, Workshops, Beratung zu Female Empowerment und begleite und berate Frauen auf ihrem Weg.



Was sports {f} nicht ist:

Sports {f} ist kein Business-Netzwerk, keine Online-Community im klassischen Sinn und ich veranstalte keine Business- oder Netzwerk-Treffen. Sports {f} hat Interesse am Mensch selbst, an persönlicher und kollektiver Entwicklung und nicht an Karriere-Talks und schnellem Netzwerken der Kontakte wegen!



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