Interview mit Anne-Kathrin Laufmann, Direktorin CSR beim SV Werder Bremen

Aktualisiert: Feb 21


Anne-Kathrin Laufmann, seit 2012 Direktorin CSR beim SV Werder Bremen und Vorstandsmitglied der SV Werder Bremen Stiftung, ist die nächste Frau im Interview. Seit über 13 Jahren arbeitet und wirkt sie bei Werder Bremen und hat den CSR-Bereich WERDER BEWEGT dort aufgebaut und weiterentwickelt. Daneben ist Anne Jugendreferentin und damit einzige Frau im Präsidium des Vereins. Anne ist ausgebildete Stiftungs- und CSR-Managerin und führende Expertin im CSR und Sportbereich in Deutschland.


Beginnen möchten wir mit der Frage nach deinem Vorbild – wer motiviert oder inspiriert dich?


Ich habe gar kein direktes Vorbild. Mich inspirieren Menschen, die ihren Weg trotz aller Widerstände gehen. Insbesondere auch Frauen, die es schaffen, Familie, Freizeit und ihren Job in der Balance zu halten und sich trotz allem selbst zu verwirklichen.


Hat dich auf deinem beruflichen Werdegang jemand besonders unterstützt und gefördert?


Wer immer hinter mir stand und steht, ist definitiv meine Familie. Da gibt es einen extrem engen Zusammenhalt. In meinem beruflichen Werdegang hat mich mein damaliger Chef und heutiger Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer sehr unterstützt. Er hat mir, gemeinsam mit dem Verein, die Chance gegeben, etwas aufzubauen. Ich wurde sehr viel gefördert und konnte mich in meinem, für damalige Verhältnisse sehr speziellen Aufgabenbereich, weiterbilden. Ich durfte ohne Probleme nach meiner Elternzeit zurück in meine alte Funktion und habe meine Arbeitszeiten entsprechend auch angepasst. Das ist nicht in jedem Unternehmen möglich. Leider.



Was sind deine Erfahrungen in gemischten Teams und was schätzt du besonders daran?


Gemischte Teams sind optimal, ich kann es mir gar nicht anders vorstellen. Die Atmosphäre und das Miteinander sind sehr viel ausgeglichener als bei homogenen Teams. Das ist für mich persönlich ein enorm wichtiger Faktor bei der Zusammenstellung von Teams. Ich erlebe es jeden Tag, wie viele Vorteile dies für das Unternehmen aber auch für jeden einzelnen von uns bringt.


Wie wird Diversität bei Werder Bremen gelebt? Was wird konkret dafür getan?


Diversität hat ja sehr viele Facetten und dementsprechend ist es auch bei uns sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Sport, insbesondere in den Fußballmannschaften, gibt es in Bezug auf kulturelle Hintergründe eine sehr gute Durchmischung. Das und vieles mehr ist uns als vielfältiger Verein und Arbeitgeber sehr wichtig. Wir versuchen zudem auch ein Sprachrohr in die Gesellschaft zu sein. Unsere gesellschaftliche Verantwortung ist uns sehr bewusst und es gehört zu unserer Pflicht, dass wir uns zu wichtigen Themen positionieren. Beispiele hierfür sind unsere Aktionsspieltage wie der „Inklusionsspieltag“ oder „Kampagnen gegen Homophobie oder Rassismus“.

Wenn es im Speziellen um die Förderung von Frauen in der Sportbranche geht, haben wir auf jeden Fall noch Potential. Wir legen zunehmend Wert auf flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten für Home-Office oder auch das Mitbringen von Kindern, wenn z.B. die Kita oder die Schule geschlossen hat.

Bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung arbeiten wir z.B. mit der Aktion Mensch zusammen oder verschiedenen Werkstätten. An Spieltagen haben wir bereits junge Menschen mit Behinderung in unser Volunteers-Programm eingebunden und in der Fanservice GmbH arbeitet ein junger Mann mit Down-Syndrom.


Seit 2002 setzt Werder Bremen sich für gesellschaftliches Engagement ein. Gibt es Projekte, die sich gezielt für Mädchen/Frauen einsetzen?


Explizit für Mädchen ist unser Programm „Fitte Mädchen“, ein spezielles (Sport) Angebote für geflüchtete Mädchen.

In unseren internationalen Programmen (Young Coach Ausbildung), die wir zusammen mit der Footballclub Social Alliance umsetzen, wird speziell darauf geachtet, dass min. 30% Mädchen an den Angeboten teilnehmen. Wir sind dort vermehrt in Ländern, wo Mädchen und Frauen vorrangig Unterdrückung erfahren und es wichtig ist, dies in unseren Ausbildungen zu berücksichtigen.

Was braucht es aus deiner Sicht, um mehr Frauen und Weiblichkeit in die Sportbranche zu bringen?


Die Sportbranche wird dato leider immer noch von Männern dominiert. Dies zeigt sich noch deutlicher in Entscheidungspositionen, dort sind Frauen so gut wie gar nicht präsent.

Auf der anderen Seite interessieren sich aber immer mehr Frauen für den Sport, nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als Berufsfeld. Zudem sind sie eine wachsende Zielgruppe für die Branche.

Natürlich ist der Mangel an Frauen in Führungspositionen ein grundsätzliches Problem und zeigt sich in vielen Branchen, aber die Strukturen im Sport, speziell sogar im Fußball, wirken besonders zäh und veraltet. Spitzenjobs werden allein aus der Tradition heraus immer noch mit Männern besetzt, wie z.B. mit ehemaligen Fußballern. Diese Schieflage muss immer wieder thematisiert werden und wir benötigen einen Kulturwandel. Oft fehlt es einfach auch an Akzeptanz. Frauen haben es sehr viel schwerer sich in dieser Branche zu behaupten. Ich denke es muss hier viel mehr das Bewusstsein in den Vereinen oder Unternehmen geschärft und gezielt mehr Unterstützung gegeben werden.

Ein alleiniges „durchboxen“ als Frau genügt da leider nicht. Zudem sollten positive Beispiele noch mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden, um andere Frauen zu motivieren.

Ich bin absolut kein Quotenfan, aber eventuell wäre es ein erster Schritt um überhaupt Türen zu öffnen. Letztendlich zählt natürlich die Qualität und nicht irgendeine Quote, aber viele Frauen bekommen durch über Jahrzehnte gelernte Strukturen im Sport, kaum eine Chance sich zu zeigen.

Führen Frauen anders als Männer? Was sind deiner Meinung nach die Unterschiede?


Es ist immer etwas schwierig zu pauschalisieren. Grundsätzlich ist es für Frauen schwieriger, sich in entsprechende Führungspositionen „hochzuarbeiten“, da sich leider oftmals noch die Frage stellt, sich zwischen Kind und Job entscheiden zu müssen. Da bedarf es viel Kreativität und Flexibilität. Alleine dieser Spagat führt oftmals schon dazu, dass Frauen Maßnahmen, kreative Ansätze ergreifen, um sich in dem von Männern dominierten Führungsumfeld zu behaupten. Dies kann sich wiederum positiv auf das Unternehmen auswirken. Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass Frauen oftmals offener in der Kommunikation sind, emphatischer, sozialer und Mitarbeiter stärker einbinden und fördern.


Was sind für dich typisch weibliche Qualitäten?


Wie oben schon erwähnt bin ich immer vorsichtig mit allgemeinen Aussagen zu geschlechterspezifischen Eigenschaften oder Fähigkeiten.

Somit kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich bei Frauen oftmals soziale Kompetenzen vermehrt wahrnehme, eine höhere emotionale Intelligenz. Dies geht dann einher mit Empathie, Rücksichtnahme, Sensibilität und Feingefühl. Es geht mehr um die Sache selbst als um Profilierung oder Macht. Besonnenheit ist für mich auch ein Attribut, welches ich vermehr bei Frauen feststelle, Frauen entscheiden im Job besonnener und vorsichtiger als Männer. Die vermeintlich eher „schwachen Eigenschaften“, sind für mich ganz klare Stärken.

Zum Schluss möchten wir dir noch ein paar persönliche Fragen stellen:


Was treibt dich an?

Im Job treibt mich definitiv mein Thema an, „CSR“ (soziale und gesellschaftliche Verantwortung). Es ist mir eine Herzensangelegenheit und hat eine immer größer werdende Bedeutung. Es macht mir unheimlich viel Spaß mich in dieser Themenvielfalt zu bewegen und mit meinem Team gute Projekte anzustoßen sowie das Unternehmen zu beraten.

Ich kann auch nicht verleugnen, dass mich die Herausforderung von Job und Mutterdasein (demnächst zwei Töchter) antreibt. Ich möchte mir und meinem Umfeld beweisen, dass beides zusammengeht und es nicht ein „entweder oder“ ist. Natürlich ist es eine Herausforderung und es muss viel Drumherum organisiert werden, aber das ist es wert. Auch wenn unsere Gesellschaft manchmal dran zweifeln lässt, dass es der richtige Weg ist, werde ich nicht aufgeben und es schaffen, beides erfolgreich unter einen Hut zu bekommen.

Wie sieht dein perfekter Tag aus?


Ich gehe jetzt mal von einem normalen Werktag aus ;-). Morgens schon lächelnd und freundlich von unserer Tochter begrüßt zu werden, ohne Termine in den Tag zu starten, konzeptionell in Ruhe an etwas arbeiten zu können, nebenbei die Zeit haben, sich mit Kollegen auszutauschen, nachmittags unsere Tochter aus der Krippe abholen zu können, ohne Stress, und mit ihr einen gemeinsamen Nachmittag zu verbringen, der in einem Familienabend endet.


Was machst du gerne, wenn du mal nur Zeit für dich hast?


Ruhe genießen und einfach mal nichts tun ;-). Ich liebe Wellness und Sport. Ein gutes Buch lesen und mir in Ruhe was richtig Schönes zu kochen. Vielleicht beim Essen dann noch einen tollen Film gucken.



Liebe Anne, vielen Dank für das spannende Interview und die interessanten Einblicke. Ich freue mich sehr, deine Sichtweise zu hören und die Entwicklungen von Werder Bremen im Bereich Diversität weiterzuverfolgen!

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