Eine weibliche Perspektive zur Zukunftsfähigkeit der Branche

Aktualisiert: Aug 26


  • Female Empowerment in der Sportbranche. Dringend nötig!

  • Weibliche Eigenschaften und Diversität in Teams wirken sich nachhaltig positiv auf Geschäftserfolg, Kundenzentrierung, die Gesellschaft, und die Führung von Organisationen aus

  • Führung bedeutet für mich auch, Gleichstellungs-, gesellschaftliche und ökologische Themen als Kompetenzerweiterung in die Unternehmensausrichtung zu integrieren.


Mehr Frauen und mehr Weiblichkeit im Sport. Warum das Thema gerade in der aktuellen Krise wichtiger denn je ist und was ich damit meine, wenn ich von mehr Weiblichkeit spreche, darum geht es im folgenden Artikel.


In vielen Gesprächen habe ich bemerkt, dass eine große Unklarheit über den Begriff Weiblichkeit herrscht und es ganz unterschiedliche Auffassungen gibt. Das habe ich zum Anlass genommen, mich näher damit zu beschäftigen. Meine folgende Sichtweise basiert auf vielen Recherchen, einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und meiner selbst gemachten Erfahrung. Sie resultiert aus dem Austausch mit Frauen und Männern, und formt sich immer weiter.


Weiblichkeit umfasst weibliche, feminine Qualitäten oder Eigenschaften.


Weibliche Qualitäten sind:

  • Fürsorge: der Blick auf & das Sorgen für Kinder, Ältere, sozial Schwächere, die Gemeinschaft und das Gemeinwohl, Mütterlichkeit, Nähren

  • in Einklang leben mit der Natur und den Mitmenschen: gewaltfreies Zusammenleben und Miteinander

  • Interesse an Konsensfindung

  • Kooperieren, Netzwerken

  • Intuition, Fühlen, Zugang zum Körper und Körpergefühl

  • Umsichtigkeit, Weitsicht: damit Richtung vorgebend


Beispiele: das Fürsorgliche zeigt sich unter Anderem in gesellschaftlichem sozialem Engagement und dem Einsetzen für Nachhaltigkeitsthemen. Umsichtigkeit zeigt sich in dem Miteinbeziehen und Berücksichtigen von Anderen, Weitsicht in der Ausrichtung auf Zukunftsthemen.


Wenn ich von mehr Weiblichkeit spreche, meine ich also eine Rückbesinnung zu diesen Werten; eine Würdigung und Wertschätzung dieser Qualitäten nach tausenden von Jahren in denen diese Eigenschaften weitgehend abgewertet, unterdrückt und abschätzig behandelt wurden.


Im Sport geht es um höher, schneller, weiter, mehr. Es verwundert nicht, dass die Sportbranche in den letzten Jahrzehnten zu großen Teilen die männliche Seite verkörperte und dort männliche Attribute Wert hatten und zählten. Es ging, beziehungsweise geht an vielen Stellen nach wie vor, um Gewinnen, mehr Profit, höhere Reichweiten, die neuesten Technologien, Digitalisierung, Datensammlung, Steigerung von Vermarktungspotentialen und Internationalisierung.


Weitere männliche Qualitäten sind: 

  • Klarheit, Zielorientierung, Fokussiertheit, Durchhaltevermögen 

  • Intellekt, Rationalität, Fakten

  • Aktiv sein: Machen, Handeln, Bewegung, Wachstum, Konkurrieren

  • Schutz und Sicherheit geben, dem Vertreten nach außen

  • dem Streben nach Versorgung und Materiellem


Jede*r von uns trägt beides in sich, hat weibliche und männliche Eigenschaften, das Prinzip von Yin und Yang. Beides ist wichtig, die unterschiedlichen Qualitäten ergänzen sich. Vielleicht ging es Ihnen beim Lesen so, dass Sie sich in manchen der femininen und manchen der maskulinen Eigenschaften wiedergefunden haben, vielleicht finden Sie manche Eigenschaften gut, andere nicht und werten sie ab… .


Oft habe ich in den letzten Wochen bemerkt, dass vielen die Einteilung in weibliche und männliche Eigenschaften aufstößt. Um das an dieser Stelle nochmal klar zu stellen: es heißt nicht, dass Frauen ausschließlich weibliche Eigenschaften verkörpern und Männer maskuline. Es heißt auch nicht, dass bestimmte Qualitäten mehr Wert sind als andere. Es kann sein, dass eine Frau sehr mit ihrer weiblichen Seite in Kontakt ist, oder gar nicht. Für Männer gilt das Gleiche. Es geht darum, eine gesunde Balance in jedem Einzelnen von uns und in der Welt zu finden. Die Differenzierung der Qualitäten als Anregung zu nehmen, um Unterschiede anzuerkennen und wertzuschätzen.

Wir lernen von Vorbildern, unseren Eltern oder Bezugspersonen und von Wertvorstellungen unserer Gesellschaft, welche Eigenschaften viel oder wenig Wert sind und viele von uns sind im Konflikt mit den beiden Aspekten. Dieser Konflikt und die kollektive Abwesenheit zur Verbindung mit dem mütterlichen Instinkt spiegelt sich am deutlichsten im Umgang mit der Umwelt, in der Umweltverschmutzung, der ökonomischen Ausbeutung, dem Kapitalismus und in der Vernachlässigung unserer Gesundheit, unserer Körper wieder!


"Ein Gramm Handeln ist mehr wert als eine Tonne der Predigt", sagte Mahatma Gandhi. Ja! Konkret rege ich an, die aktuelle Krise für eine Neuausrichtung zu nutzen. Gemeinsam Programme und Projekte zu entwickeln, um Frauen mehr einzubinden, zu fördern und zu stärken. Das als eine Säule. Als weitere Säule Maßnahmen zu definieren, um den Klimaschutz und soziale Themen zu berücksichtigen. Zu thematisieren, wie der Sport und allen voran der Profifußball zukünftig gesellschaftlich wirken kann und möchte und für was er stehen möchte. Die Strahlkraft und Reichweite des Sports zu nutzen, um Botschaften zu transportieren und ein Zeichen zu setzen.


Es braucht das Einbringen und Verankern von Nachhaltigkeits-, Gleichstellungs- und sozialen/gesellschaftlichen Themen in den Entscheidungsgremien der Branche - als Kompetenz, Bereicherung und Ergänzung. Zu führen heißt für mich auch, diese Themen in die Unternehmensausrichtung zu integrieren. Es heißt für mich, dass Entscheidungsträger in der Sportbranche sich diese Themen zu ihren Themen machen!

Die Sportbranche braucht mehr Frauen - in der Quantität und besonders in Führungspositionen, ich denke darüber sind wir uns alle einig! Und zwar nicht per se mehr Frauen, sondern vor allem Frauen, die in Kontakt mit ihrer Weiblichkeit (im oben beschrieben Sinne) sind. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Die Sportbranche braucht als ganze Branche mehr Weiblichkeit, ein größeres Einbringen von weiblichen Qualitäten in Frauen UND in Männern, die in der Branche wirken. Um zukunftsfähig zu bleiben! Als Ausgleich und Gegenpol zu höher, schneller, weiter mehr. Es geht um eine Bewusstwerdung, dass es das nährende, das versorgende weibliche Prinzip ist, was unser und das Wohlergehen unseres Planeten und den Fortbestand des Lebens sichert.


Weiter noch: es geht um die positive Wirkung weiblicher Eigenschaften auf nachhaltigen Geschäftserfolg, Kundenzentrierung, die Gesellschaft, und die Führung von Organisationen (unabhängig davon, ob diese von einer Frau oder einem Mann verkörpert und vorgelebt werden). Das geht in den ganzen Diskussionen oft verloren und zeichnet meinen Standpunkt besonders aus.

Was mich angeht... mir reicht es! Ich sage Stopp zu höher, schneller, weiter, größer, mehr. Zu der Einseitigkeit und völligen Überdrehtheit dieser Branche. Zu den Überlegungen um eine europäische Superliga, zu der von der FIFA beschlossenen Aufstockung auf 48 Mannschaften bei der WM 2026 und der immer größeren Aufsplittung der Spieltage in der Fußball-Bundesliga zugunsten höherer Medienerlöse und auf Kosten des Wohls der Fans, zu den überdimensionalen Summen für Spielertransfers oder Ablösen. Das kapitalistische Streben der Fußballindustrie braucht ein Gegenpol, um mit Weitblick und Menschlichkeit die Zukunftsfähigkeit der Branche und weitergesponnen der Welt zu sichern! Die Corona-Krise und die chaotische Zeit in der wir uns aktuell befinden, geben uns Zeit zum Innehalten, Entschleunigen und Überprüfen, ob das alles für Sie, mich, uns noch so stimmt. Diese Krise macht deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Mit Freude habe ich die von der Deutschen Fußballliga geplante Task Force "Zukunft Profifußball" wahrgenommen, die sich mit dringend notwendigen Veränderungen im System 'Profifußball' beschäftigen soll und blicke erwartungs- und hoffnungsvoll auf den Arbeitsbeginn der Projektgruppe.


Das wofür der Sport steht hat so viele positive Facetten - er ist ein verbindendes Element, bringt Menschen zusammen, (Team-)Sport stärkt den Gemeinschaftssinn, das Miteinander, die Gesundheit. Um diese Werte wird es aus meiner Sicht in Zukunft wieder mehr und mehr gehen.


Enden möchte ich mit einem Zitat von Ruth Bader Ginsburg: "Women belong in all places where decisions are being made... . It shouldn't be that women are the exception." So ist es... und das gilt auch für die Sportbranche.



Über sports {f}


Sports {f} ist eine Initiative, die sich für Frauen und weibliche Qualitäten in der der Sportbranche einsetzt und eine klare und entschlossene Haltung dazu vertritt: die Sportbranche braucht dringend mehr Frauen und mehr Weiblichkeit.


Ich spreche zu Gleichstellungs-, gesellschaftlichen und Leadership-Themen im Sport und darüber hinaus. Daneben biete ich Coaching und (Einzel-)Begleitung für Frauen an. Weitere Informationen gibt es unter: www.sportsf.de


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Quellen:

Heide Göttner-Abendroth - Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft. Prinzipien und Praxis der Matriachatspolitik

Gabrielle Roth - Totem. Das Praxisbuch der Fünf Rhythmen

Seminare und Frauengruppe

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